Der Kölner Straßenkarneval eröffnet jedes Jahr an Weiberfastnacht mit dem Historiensspiel "Jan und Griet" und dem bekannten Dialog von Karl Cremer (1807-1863):
Un als dä Jan dat Griet dät sinn,
leet stell sie Päd hä stonn
un jrößten it un säht zo im:
"Griet, wer et hätt jedonn!"
Un als dat Griet dä Jan dät sinn
su blänkig usgeross,
do jrößt it in un sät zo im:
"Jan, wer et hätt jewoss!"
Das Spiel erinnert an den armen Bauernjungen "Jan von Werth", der im Dreißigjährigen Krieg zum Reitergeneral aufstieg. Jan von Werth lebte von 1591 bis 1652. Geboren wurde er in Büttgen bei Neuss und lebte später als Knecht in Köln auf dem Kümpchenshof. Er verliebt sich in das Mädchen Griet und macht ihr einen Heiratsantrag, den sie ablehnt. Als sie ihn Jahre später als Reitergeneral wieder sieht, bereut sie, den armen Bauernjungen verschmäht zu haben ("Jan, wer et hätt jewoss!")
Nach Jan von Werth ist auch eine Kölner Karnevalsgesellschaft benannt, die 1925 gegründet wurde. Sie organisert jedes Jahr das Historienspiel "Jan und Griet" unter der Severintorburg. Bis in die 60er Jahre fand das Historienspiel am Eigelsteintor statt. Offiziell wurde das Spiel damals aufgrund der Umbauarbeiten in den Kölner Süden an das Severinstor verlegt. Aber es gibt noch einen anderen Grund für die Kölner Südstadt: Jan von Werth wurde 1642, als er nach langer Gefangenschaft von Süden nach Köln einzog am südlichsten Tor der Stadt stürmisch empfangen.
Nach dem Historienspiel startet der Umzug jährlich an der Severinstorburg am Clodwigplatz. Die Jecken ziehen dann durch die Severinstraße bis zum Denkmal Jan von Werth am Altermarkt, wo der Zug endet. Dort wird zu Ehren von Jan und Griet am "Jan von Werth"-Denkmal, einem Brunnen von 1884, getanzt. Das Ritual besteht seit 1954 und zwar jedes Mal an Weiberfastnacht. "Über die tollen Tage hinweg schlägt das Reitercorps am Fuße des Denkmals ein Feldlager auf", heißt es bei der Karnevalsgesellschaft "Jan von Werth". Deren Mitglieder besuchen in jedem Jahr das Feldlager des Reitercorps, um sich zu stärken. Und auch das amtierende Dreigestirn schaut vorbei, um mit den Jecken zu feiern und zu schunkeln.
Marina Guehi